Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtschmetterling, dessen Raupen sich fast ausschließlich an Eichen entwickeln. Die Raupen leben gesellig und ziehen in charakteristischen "Prozessionen" hintereinander her — daher der Name. Ab dem 3. Larvenstadium (etwa Mai/Juni) bilden sie Brennhaare mit Nesselgift, die das Hauptproblem darstellen.
Für Eichen ist der Befall unangenehm, aber selten letal. Sie treiben nach Kahlfraß meist im Sommer neu aus. Für Menschen und Tiere sind die Brennhaare aber ernsthaft gefährlich.
Woran erkenne ich einen Befall?
- Nester am Stamm oder in Astgabeln — silbrig-graue, teils faustgroße Gespinste. Meist in 3–8 m Höhe, teils höher.
- Raupen in Prozessionen — bis zu 4 cm lange behaarte Raupen, meist am Stamm nach oben oder unten wandernd, oft zu zehnt oder hundertfach.
- Fraßbild an den Blättern — Kahlfraß von den Blatträndern nach innen, oft schlagartig große Kronenpartien betroffen.
- Gesundheitliche Symptome nach Aufenthalt unter der Eiche — Hautquaddeln, Atemwegsreizung, tränende Augen.
Charakteristisch: Der Befall ist ab Mitte Mai sichtbar. Bis in den Spätsommer hinein bleiben Nester und Brennhaare aktiv. Alte Nester sind auch Jahre später noch reizend — sie werden im Nest gespeichert.
Warum sind die Brennhaare gefährlich?
Die Brennhaare sind mikroskopisch klein und enthalten Thaumetopoein, ein Nesselgift. Sie werden durch Wind bis 200 m weit verbreitet — Sie müssen nicht direkt am Baum stehen, um sich zu exponieren.
Typische Symptome nach Kontakt:
- Haut: brennende Ausschläge, Quaddeln, starker Juckreiz — meist 24–72 Stunden nach Exposition.
- Atemwege: Reizhusten, Bronchialverengung, bei Allergikern Asthmaanfälle.
- Augen: Bindehautentzündung, Schwellung, Sehstörungen.
- Allgemein: Kopfschmerzen, Schwindel, in Einzelfällen Kreislaufreaktionen.
Für Haustiere (Hunde, Katzen) ähnlich gefährlich — nach Kontakt tierärztliche Kontrolle innerhalb 24 Stunden. Für Weidevieh: Standortwechsel und Rücksprache mit dem Veterinär.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf Kontakt
- Bereich verlassen — nicht länger als nötig unter dem Baum aufhalten.
- Kleidung wechseln — die Brennhaare haften an Textilien, waschen bei ≥ 60 °C.
- Duschen — kalt duschen (nicht warm — öffnet die Poren), Haare intensiv waschen.
- Bei Atemwegssymptomen — Hausarzt / bei akuter Atemnot Notarzt.
- Bei Augenkontakt — spülen und Augenarzt.
Meldung an das Bezirksamt
Bei Befall auf privatem Grundstück: Meldung ist empfohlen, damit das Bezirksamt Ihre Adresse in die Nachbarschaftskoordination aufnimmt. Auf öffentlichen Flächen: Meldung nötig, damit die Stadt priorisiert einsetzen kann.
Ansprechpartner in den Hamburger Bezirken:
- Wandsbek: Fachamt Management öffentlicher Raum, Baumangelegenheiten
- Hamburg-Nord: Fachamt Management öffentlicher Raum
- Altona / Eimsbüttel / Bergedorf / Harburg: jeweiliges Fachamt
Meldung formlos telefonisch oder per E-Mail — Adresse, Straße, Baumnummer (falls Stadtbaum), Foto wenn möglich. Fällt der Befall auf einen Stadtbaum: Stadt übernimmt Bekämpfung meist innerhalb 1–3 Wochen. Fällt er auf Ihren Baum: Sie sind zuständig.
Professionelle Entfernung — der Ablauf
1. Absaugverfahren (Standard)
Wir arbeiten mit Industrie-Staubsaugern mit HEPA-Filterung — das Nest und die freien Brennhaare werden komplett aufgenommen. Schutzausrüstung: Ganzkörper-Schutzanzug, Vollmaske mit P3-Filter, Schutzbrille. Der Prozess dauert je nach Größe 20–90 Minuten pro Nest.
2. Alternative Verfahren
- Abflammen: nur bei kleinen Beständen und ohne umgebende Vegetation. Restrisiko: Brennhaare werden thermisch nicht immer inaktiviert.
- Biologische Präventivbehandlung mit Bacillus thuringiensis kurstaki (Bt) im April/Mai — wirkt gegen die jungen Raupen, bevor sie Brennhaare bilden. Für exponierte Standorte (Schulen, Kitas, Villenbestände) sinnvoll als jährliche Vorsorge.
- Chemische Bekämpfung: in Hamburg praktisch nicht mehr genutzt, weil ökologisch problematisch und in Wohnnähe genehmigungspflichtig.
Was kostet die Entfernung in Hamburg?
| Situation | Kosten (netto) |
|---|---|
| 1 Nest bis 4 m Höhe | 180 – 260 € |
| 1 Nest 4–8 m Höhe | 260 – 380 € |
| Mehrere Nester ein Baum, SKT nötig | 380 – 650 € |
| Sanierung Baumgruppe / Firmengelände | individuell, Stück ab 120 € |
| Präventive Bt-Behandlung (Frühjahr) | 80 – 180 € je Baum |
| Meldung Bezirksamt | inklusive |
Vorsorge: was Sie selbst tun können
- Eichen jährlich kontrollieren im Mai/Juni — von der Straße aus mit Fernglas ausreichend, um Nester zu erkennen.
- Sitzbereiche unter Eichen meiden zwischen Mai und September in befallsverdächtigen Bezirken.
- Fenster oberhalb befallener Bäume geschlossen halten — Brennhaare werden mit Wind eingetragen.
- Präventive Behandlung im April/Mai bei bekanntem Befall aus Vorjahren.
Häufige Fragen zum Eichenprozessionsspinner
Wo tritt der Eichenprozessionsspinner in Hamburg besonders auf?
Alle Bezirke mit Eichenbestand sind betroffen — Schwerpunkte 2025/2026 in Wandsbek (Volksdorf, Sasel, Rahlstedt), Nord (Alsterlauf), Bergedorf (Villenviertel) und Harburg (Neugraben). In Innenstadtbezirken mit wenig Eichen (Rotherbaum, Grindel) ist das Problem kleiner.
Wie gefährlich sind die Brennhaare wirklich?
Für Menschen und Haustiere ernsthaft. Die Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das Hautausschläge, Atemwegsreizungen, Augenentzündungen und Asthmaanfälle auslöst. Reaktionen können 24-72 Stunden nach Kontakt einsetzen. Bei bekannter Allergie: notfallmedizinisch relevant. Nicht selbst in befallene Bäume klettern oder Nester abknipsen.
Muss ich einen Befall dem Bezirksamt melden?
Ja, für Bäume auf privaten Grundstücken empfehlen alle Bezirksämter eine Meldung, damit koordinierte Bekämpfung möglich ist. Für Bäume auf öffentlichen Flächen ist die Meldung wichtig zur Priorisierung durch die Stadt. Meldung geht formlos telefonisch oder per E-Mail an das Fachamt Management öffentlicher Raum Ihres Bezirks.
Was kostet die professionelle Entfernung?
Pro Baum je nach Größe und Nesteranzahl: 180–450 € netto. Bei mehreren Nestern in einer Baumgruppe oder gewerblichen Flächen sinken die Stückkosten. Wir arbeiten mit Absaugverfahren (Vakuum + HEPA-Filter), was sicherer und rückstandsfreier ist als Abbrennen oder chemische Bekämpfung.
Kann man den Prozessionsspinner vorbeugend bekämpfen?
Ja, mit biologischen Spritzmitteln (Bt-Präparate) im Frühjahr (April/Mai). Wirkt nur, solange die Raupen jung und aktiv fressen. Wir bieten präventive Behandlung als Rahmenvertrag für Eichen-Bestände (Villenviertel, Firmengelände, Schulen) mit dokumentierter Applikation.
Was passiert mit den entnommenen Nestern?
Fachgerechte Entsorgung als Sondermüll. Die Nester bleiben auch nach Jahren aktiv reizend, wir übergeben sie nicht in den normalen Hausmüll. Entsorgung ist im Einsatzpreis enthalten.
Verdacht auf Befall? Anrufen.
Wir kommen innerhalb 48 Stunden zur Sichtprüfung und geben Ihnen ein realistisches Angebot — inklusive Meldung ans Bezirksamt.